Toi: Die Kunst der Māori

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Kreative Māori-Kunstformen, wie das Weben und Schnitzen, ehren die Vergangenheit und blicken mit frischer Inspiration und neuen Materialien in die Zukunft.

Raranga: Webkunst

Als die ersten Māori in Aotearoa ankamen, fanden sie sich mit einem Klima konfrontiert, das, verglichen mit ihrer polynesischen Heimat, geradezu extrem war. Schon bald passten sie sich an ihre neue Umgebung an, indem sie ihre bereits vorhandenen Kenntnisse im Schnüren und Weben dazu verwendeten, Kowowai (Umhänge) und weitere Gebrauchsgegenstände, zum Beispiel Kete (Körbe) und Whākiri (Matten) herzustellen. Das am häufigsten verwendete Webmaterial war – und ist weiterhin – Harakeke; auch bekannt als neuseeländischer Flachs. 

Webende Frauen

Traditionell ist das Weben Frauenaufgabe. Geschickte Weberinnen genossen – und genießen – hohes Ansehen innerhalb ihres Stammes. „Aitia te wahine o te pā harakeke“ lautet ein altes Sprichwort der Māori: „Heirate die Frau, die immer am Flachsbusch zu finden ist, denn sie ist eine erfahrene und fleißige Flachsarbeiterin.“

New Zealand
Raranga, New Zealand

Von James Heremaia

Das meistverwendete Webematerial ist Harakeke – auch bekannt als neuseeländischer Flachs.

Umhänge voller Schönheit

Traditionell wurden Umhänge von Hand zwischen zwei aufrecht stehenden Webhaken gewoben. Im Zuge der Webarbeiten wurden Federn und dekorative Fäden in den Stoff eingearbeitet. Natürliche Farbstoffe ermöglichten verschiedene Farbtöne in den Umhängen. Mit Hilfe von Paru (Moorschlamm) entstand eine schwarze Farbe, während Tanekaha (Baumrinde) für Brauntöne verwendet wurde.

Der mit eingearbeiteten Hundelederstreifen versehene Kahu Kuri war der wertvollste Umhang der Māori. Beim Kuri handelte es sich um eine polynesische Hundeart, die bereits mit den ersten Māori nach Neuseeland gelangt war. Es war ausschließlich Rangatira (Häuptlingen) erlaubt, einen Kahu Kuri zu tragen.

New Zealand
Gewebter Korowai, New Zealand

Von James Heremaia

Talentierte Māori-Frauen stellen sorgfältig gewebte Korowai (Umhänge) her.

Whakairo – die Kunst des Schnitzens

Whakairo (Māori Schnitzereien) sind nie rein dekorativ, sondern erzählen jeweils eine einzigartige Geschichte. Diese Geschichten, die von Generation zu Generation weiter gereicht werden, erklären kulturelle Tradition und Stammesgeschichte. Traditionell waren Māori-Schnitzer männlich. Ihr Handwerk umfasste wertvolle Schmuckstücke, Waffen, Werkzeug, Musikinstrumente, Kanus und dekorative Wandpaneele und Pfosten für die verschiedenen Dorfgebäude.

Statusobjekte

Wertvolle Schmuckstücke wurden – und werden weiterhin – traditionell als Zeichen von Prestige getragen. Dazu gehören Ohrschmuck, Brustanhänger und geschnitzte Haarkämme. Hergestellt wurden die Schmuckstücke aus Pounamu (neuseeländischer Jade), Wal-Elfenbein und Walknochen; hinzu kamen gelegentlich zusätzliche Materialien, wie Albatrossfedern und Haizähne. Pounamu von der Südinsel wird aufgrund seiner Schönheit und Stabilität hoch geschätzt und wird noch heute zur Schmuckherstellung verwendet.

Symbole und Muster

Māori-Schnitzereien sind voller Symbolkraft und nutzen häufig gleiche Muster, obwohl es zwischen den verschiedenen Stämmen verschiedene Stilrichtungen gibt. Zu den bekanntesten Symbolen gehören Tiki, ein Symbol für die menschliche Figur, und Manaia, eine Kreatur mit einem Vogelkopf und Schlangenkörper, die als Schutzsymbol gilt. Traditionelle Schnitzmuster waren häufig inspiriert von der Natur und Umwelt, dazu gehören zum Beispiel Spinnennetze (Pungawerewere), Fischschuppen (Unaunahi) und das junge, sich entfaltende Farnblatt (Koru).

Rotorua
Schnitzer in Aktion, Rotorua

Von Chad Case

In Te Puia, Rotorua, kann man Māori Schnitzmeistern bei der Arbeit über die Schulter schauen.

Wo man die Māori-Kunst erleben kann

Kulturzentren und Werkstätten

Māori-Kunstwerke können in Kulturzentren und Ateliers in ganz Neuseeland aus der Nähe begutachtet werden. Einer dieser Orte ist Te Puia in Rotorua, wo Besucher einen Blick in die Web- und Schnitzwerkstätten werfen und den Künstlern über die Schulter schauen können.

Galerien und Museen

Viele Kunstgalerien im ganzen Land verkaufen Werke von bekannten Māori-Künstlern. Traditionelle wie auch moderne Māori-Kunst wird von Sammlern auf der ganzen Welt hoch geschätzt. Einen Einblick in historische Māori-Kunstwerke geben Museen wie Te Papa und das Auckland Museum.

Māori-Kunstwerke werden dich inspirieren und begeistern – egal, wo und wie du sie erlebst. Vielleicht findest du sogar einen einzigartigen Taonga (Schatz) für dein Zuhause.