Die Rückkehr des Kakapo

Sie sind hier

Er sieht aus wie eine Kreuzung aus Wellensittich und Eule, ist ein nachtaktives Schwergewicht und tut sich mit dem Paaren schwer: der Kakapo.

Der flugunfähige, vom Aussterben bedrohte Papagei lebt nur in Neuseeland, wo in diesem Jahr die Rekordzahl von 124 Vögeln verzeichnet wurde.

Die Neuseeländer verfolgen den Werdegang der 34 frisch geschlüpften Mini-Papageien mit großem Interesse. Nyia Strachan, Mitarbeiterin des Department of Conservation (DOC), erzählt, dass alle Küken wohlauf sind. Einige konnten zu ihren Müttern zurückkehren, aber die Mehrzahl musste per Hand aufgezogen werden. Anfang Juli wurden alle Kakapo an geheimen Plätzen in die Wildnis entlassen.

Früher lebten in Neuseeland Tausende dieser Papageien, doch die Besiedlung durch europäische Einwanderer führte dazu, dass die Zahl der Kakapos auf eine Handvoll schrumpfte. Riesige Gebiete wurden für Bauernhöfe gebraucht, die Raubtiere wie Katzen, Frettchen und Ratten mit sich brachten. Diese Tiere konnten Kakapos leicht töteten, weil die Papageien sie nicht als gefährlich erkennen.

Die lange Abwesenheit von natürlichen Feinden führte zur Flugunfähigkeit des Kakapos, wodurch der Vogel heutzutage fast schutzlos ist. Die nun fest verwurzelte Schutzstrategie der Kakapos ist, sich völlig bewegungslos zu verhalten und die Federn als Tarnung einzusetzen. Vor Jahrhunderten funktionierte das gut. Damals jagte der der größte Feind der Kakapos, ein riesiger Adler, über Sichtkontakt. Heute aber ist diese Strategie unbrauchbar: Jagende Säugetiere folgen Gerüchen, und leider verströmen Kakapos einen starken, moschusartigen Duft.

Mit der Fortpflanzung lassen sich die Vögel Zeit. Die Männchen werden erst mit fünf Jahren geschlechtsreif, die Weibchen brauchen noch länger. Und dann legen sie nur alle zwei bis vier Jahre Eier. Die Tatsache, dass im Jahr 2009 insgesamt 34 Küken geschlüpft sind, gilt als großer Glücksfall.

Kakapos sind so selten, dass in Neuseeland jeder einzelne mit Namen bekannt ist. Der Star der Show ist Sircocco. Wegen einer Krankheit war er der erste Kakapo, der von Menschen aufgezogen und nicht wieder in die Wildnis entlassen wurde. Sirocco versteht sich nicht mit seinen Artgenossen und ist zur Paarung völlig ungeeignet.

Vogelparadies Stewart Island

Ulva Island gehört zum Inselkomplex Stewart Island und ist ökologisch besonders wichtig. 1996 wurde die Insel nach einem Ausrottungsprogramm für rattenfrei erklärt, daraufhin konnten auf der Insel ausgestorbene Vögel neu angesiedelt werden. Dazu gehören Tieke, Gelbköpfchen und Langbeinschnäpper. Heute ist die Region besonders für die Beobachtung von Kiwis berühmt.

Die Insel beheimatet den Stewart Island Brown Kiwi, eine der sechs Unterarten des neuseeländischen Wappenvogels. Verschiedene Tourismusunternehmen bieten Touren an – die Wahrscheinlichkeit, den nachtaktiven Vogel unter freiem Sternenhimmel zu sehen, liegt bei 90 Prozent.

Stewart Island ist 1746 Quadratmeter groß und kaum bewohnt. Die einzige Ansiedlung ist Oban mit 390 Einwohnern.

Stille im Großstadtdschungel

Seltene Vögel können in Neuseeland nicht nur in abgeschiedener Wildnis beobachtet werden. In der Hauptstadt Neuseelands, in Wellington, liegt ein 252 Hektar großes Naturschutzgebiet nur zehn Minuten vom Zentrum entfernt. In dem weltweit einzigartigen Experiment wird seit 1995 die ursprüngliche Tier- und Pflanzenwelt vor Ankunft der Einwanderer wieder hergestellt.

Alle Säugetiere, die mit den Menschen nach Neuseeland kamen und die ursprüngliche Flora und Fauna bedrohten, wurden von dort verjagt. Ein 8,6 Kilometer langer und 2,20 Meter hoher Zaun hält Ratten, Igel, Frettchen und andere natürliche Feinde vom Eindringen in das Gebiet ab und schützt so die seltene Artenvielfalt.

Neben den bedrohten Vögeln wie Kiwi, Hihi und Weka wurden auch Tuatara (Brückenechsen) im Karori Sanctuary freigelassen. Als einer der letzten Nachkommen der Dinosaurier sind Tuatara nur in Neuseeland zu finden.

Die lebenden Fossilien gibt es seit fast 200 Millionen Jahren. Im Karori Sanctuary haben die Tuataras gute Chancen, sich fortzupflanzen, denn das Reservat bietet den Tieren optimale Bedingungen.

Takahe auf Kapiti

Weniger als eine Stunde Autofahrt von Wellington entfernt liegt Kapiti Island, Neuseelands wichtigstes Vogelschutzgebiet. Bereits 1897 kaufte die neuseeländische Regierung die zehn Kilometer lange und zwei Kilometer breite Insel und erklärte sie zum Naturschutzgebiet. Doch es dauerte noch fast hundert Jahre, bis sich die neuseeländische Vogelwelt wieder sicher fühlen konnte.

Mit großem Aufwand wurde die Insel von Possums und anschließend von Ratten befreit. Auf Kapiti Island kommen zuerst die Tiere und dann der Mensch. Jeden Tag dürfen nur 50 Personen die Insel besuchen. Die wenigen Besucher werden mit Vogelgesang willkommen geheißen, auf einer Wanderung erleben sie hautnah die unberührte Natur und die Vogelwelt.

Der vermutliche seltenste Vogel auf der Insel ist der Takahe. Im Jahr 1930 wurde die Takahe-Ralle für ausgestorben erklärt. Nur vier offizielle Sichtungen des etwa hühnergroßen Verwandten der Purpurralle während des 19. Jahrhunderts galten als nicht ausreichend, um den Fortbestand dieser Vogelart zu sichern.

Am 20. November 1948 dann die Sensation: In einem abgelegenen Tal nahe dem Lake Te Anau wurde der Hobbyornithologe Geoffrey Orbell fündig. Es war die erste Sichtung lebender Takahe-Vögel seit mehr als 50 Jahren. Unbemerkt von der Zivilisation, hatten offenbar mehr als 250 Vertreter der größten Ralle der Welt in der Abgeschiedenheit der Murchison Mountains überlebt.

Heute leben rund 60 Takahe auf vier Inseln: Auf Maud Island (Marlborough Sounds), Mana Island (nahe Wellington), Kapiti Island (nördlich von Mana) und Tiritiri Matangi Island (Hauraki Gulf) – im Schutze völliger Isolation, ohne Raubtiere und Nahrungskonkurrenten. Dennoch bewegt sich der gesamte Restbestand von insgesamt rund 200 Takahe weiterhin am Rande des Aussterbens.

Flüge finden & buchen