Marae: Die Begegnungsstätten der Māori

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Die Marae sind die wichtigsten Versammlungsstätten der in Neuseeland heimischen Māori-Gemeinschaften.

Ein Marae ist ein umzäunter Komplex von mit Schnitzereien versehenen Gebäuden und Anlagen, die einem bestimmten Iwi (Stamm), Hapū (Unterstamm) oder einer Whānau (Familie) zugeordnet sind. Die Māori sehen ihre Marae als Tūrangawaewae – den Ort, an dem sie Bestand haben und hingehören. Marae werden zu Treffen, Feierlichkeiten, Begräbnisse, Schulungen und weiteren wichtigen Stammes-Ereignissen genutzt.

Zu einem Marae gehört ein von Schnitzereien verziertes Begegnungshaus (Wharenui) mit einem offenen Platz (Marae Ātea) davor, einem Speisesaal mit Kochbereich und einem Toiletten- und Duschblock.

Te Wharenui

Das wichtigste Gebäude innerhalb eines Marae ist das Wharenui; das geschnitzte Versammlungshaus. Ein Wharenui ähnelt in seiner Struktur dem menschlichen Körper und symbolisiert normalerweise einen bestimmten Stammesvorfahren.

Das Tekoteko (geschnitzte Figur) auf dem Dach im vorderen Bereich des Hauses symbolisiert den Kopf, während der Maihi (vorderer Ortgang) zwei den Besucher willkommen heißende Arme darstellt. Die Amo, kurze Bretter an der Frontseite des Hauses, stellen zwei Beine dar, und der Tahuhu (Dachbalken), der das Dach trägt, repräsentiert das Rückgrat. Die Heke (Sparren), die vom Tahuhu bis zu den Poupou (geschnitzten Figuren) an den Wänden reichen, sind ein Symbol für die Rippen des Wharenui. 

Viele Wharenui sind mit detaillierten Schnitzereien und Paneelen, die sich mit der Whakapapa (Abstammungsgeschichte) des Stammes und Geschichten und Legenden der Māori beschäftigen, verziert. Häufig werden auch Fotos von Verstorbenen im Inneren platziert.

Wenn du in ein Wharenui eingeladen wirst, denke daran, deine Schuhe auszuziehen, bevor du eintrittst, im Inneren keine Speisen oder Getränke zu dir zu nehmen und vor dem Fotografieren immer zuerst um Erlaubnis zu bitten.

New Zealand
Versammlung in einem Marae, New Zealand

Von James Heremaia

Vier Generationen in ihrem Marae.

Leben in der Gemeinschaft

Die Menschen, die zu einem Marae gehören, leben dort nicht die ganze Zeit, reisen allerdings zu wichtigen Anlässen eigens an und übernachten dort. Das Leben im Marae ist grundsätzlich stark gemeinschaftlich organisiert. Zum Beispiel schlafen alle auf Matratzen im gleichen Raum – meist entlang der Wände des Hauptversammlungshauses – und essen gemeinsam im Speisesaal. Bei anfallenden Arbeiten hilft man sich gegenseitig und trifft sich zu Lern- und Diskussionszwecken sowie zu Stammesversammlungen. 

Besucher

Besucher, die noch nie ein Marae betreten haben, werden als Waewae Tapu – heilige Füße – bezeichnet. Sie müssen an einer formellen Willkommenszeremonie namens Pōwhiri teilnehmen, um ihr Tapu (Heiligkeit) abzulegen und formal in die Bevölkerung des jeweiligen Marae aufgenommen zu werden.

Neuseelandbesucher werden im Laufe ihrer Reise mit hoher Wahrscheinlichkeit auf Marae stoßen, besonders auf der Nordinsel. Anzuhalten und einen Blick von außen auf das Gelände zu werfen ist kein Problem. Doch bitte beachte, dass es ohne eine formelle Begrüßungszeremonie der dort ansässigen Māori nicht erlaubt ist, ein Marae zu betreten.

Wohin als Nächstes?

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